Falls du unseren ersten Artikel zur Biofach/Vivaness 2017 noch nicht gelesen hast, kannst du ihn hier finden.

Am Samstag, dem zugleich letzten Messetag, konzentrierten wir uns darauf, neue interessante und vegane Produkte querbeet in den Hallen zu entdecken. Und gefunden haben wir reichlich, auch wenn viele Produkte bislang noch gar nicht oder nur über den Hersteller selbst (Webshop) erhältlich sind bislang. Natürlich war das aber für viele auch einer der Gründe, als Aussteller auf die Biofach zu kommen, nämlich um nicht nur neue Produkte zu zeigen, sondern durch die Fachmesse auch neue Vertriebswege zu entdecken.

Bisquits  délicieuse

DAO Bisquits

Unser erster Blick fiel auf die Kekse von Dao, da uns einfach die Optik gefiel. Acht verschiedene Sorten hat das französische Unternehmen im Angebot, vier davon sind vegan:  Amande & Rapadura, Café Guarana, Multi-Graines sowie Petit Èpeautre Amande Citron. Die ersten beiden haben wir probiert. Beide waren lecker, Café Guarana aber sogar erinnerungswürdig und für einen Keks ziemlich vielschichtig im Geschmack. Wenn ihr die mal irgendwann irgendwo entdeckt: unbedingt probieren, denn es lohnt sich wirklich.

Goodels und Jack’s Frucht

Richtig was zu entdecken gab es auch bei Govinda: Goodels und Jack’s Frucht (Jackfrucht) nämlich. Jackfrucht konnten wir erstmals überhaupt verkosten und waren sehr gespannt auf den Geschmack der Frucht, die von vielen als fleischartig so hoch gelobt wird. Machen wir es kurz:  Das mag schon so stimmen, kaut sich aber wie das Stück Leber, das einem die Eltern früher mal aufgedrückt haben.  Für uns ist das nichts.

Goodel-Sorten von Govinda

Bei den Goodels hingegen handelt es sich um Nudeln, und zwar aus Linsen, Quinoa, Buchweizen, Kichererbsen oder Mungbohnen statt aus Hartweizengrieß. Also mal was anderes sowohl von den Inhaltsstoffen her als auch farblich.  Allesamt Sorten, die der Pasta noch mal einen ordentlichen Schuss Protein verpassen: cool. Diese Nudeln bekommt man auch im Handel, wobei eine  250 Gramm-Packung bei etwa 4€ liegt. Also eher nichts für jeden Tag, sondern was Besonderes für Zwischendurch.

Brösel von Herbaria

Einfach mal bröseln …

Dass Bio so gar nicht fad aussehen muss, sondern ziemlich peppig daherkommen kann, zeigte auch das bayerische Unternehmen Herbaria mit seiner Brösel-Reihe. Leider haben wir verpasst zu fragen, ob alle Brösel auch vegan sind, sodass wir es nur von den zudem glutenarmen Pop-Bröseln sicher wissen. Und was sind nun Brösel? Es handelt sich um gewürzte Panade in den Richtungen bayerisch-alpin, nordisch-kräutrig, süß-verführerisch, mediterran-würzig, sowie die Pop-Variante mit Amaranth, Teff und Quinoa.

Chalo

Chalo – A hug in a mug!

Der richtig coole Stand von Chalo hat uns schon allein durch sein Logo angelockt: ein richtig schicker Affenkopf. Erst am Stand selbst dann fanden wir heraus, dass es sich hierbei um ein Unternehmen handelt, das Chai Latte-Pulver herstellt. Vier Sorten werden angeboten, eine davon (Masala) enthält allerdings leider Milch(pulver), der Rest ist vegan. Bei der Sorte Lemongrass wird sogar empfohlen, sie mit Kokos- oder Kokos-Sojadrink zuzubereiten. Ansonsten gibt es noch die Sorten Cardamom (mhhh!) und Vanilla.

Großstadthelden

Und eine weitere frische Idee fanden wir beim Bio-Weingut Welter, nämlich die Großstadthelden. Hierbei handelt es sich um Weine, um die eine Story gebastelt wurde. Die junge Emma macht sich nämlich auf in die Großstadt und will dort Bloggerin werden. Das Geld ist knapp, also zieht sie in eine WG, und zwar mit Lisa, einer Fotografin, Joe, einem Werbefachmann, und Günther, einem ehemaligen Friseur.  Beim ersten gemeinsamen Abend bietet Emma ihren neuen Mitbewohnern Wein an, und so wird schließlich die Idee geboren, Wein in die City zu holen. Nicht altbacken und staubig, sondern bunt, frisch, hip  … lecker und bio sowieso. Und so vertritt  Emma nun den geschmeidigen Weißburgunder, Lisa den prallen Spätburgunder, Günther den knackigen Grauburgunder und Joe den Merlot mit Wumms. Und das ist wohl erst der Anfang, denn tatsächlich steht hinter jedem WG-Bewohner ein realer Mensch, und schaut man sich Fotos von denen an, so sieht man schon, dass es nicht nur vier Leute sind …

Wein der Großstadthelden

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

Die größte Überraschung für uns am Samstag war der Besuch des Standes  der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Unsere Gesprächspartner dort, allen voran Herr Dr. Kape vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) hatten richtig Bock auf Informationsweitergabe und ein Gespräch. Sowas haben wir selten in der Form erlebt. Es ergab sich ein sehr freundliches und offenes Gespräch fernab jeder Realitätsferne und Altbackenheit, das war wirklich toll.

Davon werdet ihr in Zukunft von uns auch  immer wieder mal was erfahren, soviel steht fest, denn wir verließen den Stand schließlich vollgepackt mit Informationen, Tipps und weiterführenden Broschüren, DVDs und ein paar Giveaways – zum Glück mitsamt Stoffbeutel, denn das hätten wir sonst kaum alles unterbringen können.

Feuerstein und Zunder

Einen einzigen Vortrag haben wir am Samstag besucht, und zwar ging es um  den Zunderschwamm beziehungsweise um dessen Comeback.

Zunder kennt man ja, mindestens  jeder fiktive Pen&Paper-Charakter hat sowas im Rucksack bei sich. Aber sonst?

Den Vortrag hielt Daniel Gareis von Zunderschwamm Naturprodukte, der auf Lebensstationen zurückblicken kann, die ihn für ein Comeback des Zunderschwamms als Medizinalpilz zur Pflege bei Hauterkrankungen unheimlich passend erscheinen lassen: Ausbildung als PTA (pharmazeutisch-technischer Assistent), später Diplom-Ingenieur für Ernährung und Versorgungsmanangement, auch privat großes Interesse an Gesundheit, Ernährung und orthomolekularer Medizin.

D. Gareis, Vortrag zum Zunderschwamm

Tatsächlich erfuhren wir viel Spannendes über die Vergangenheit des Zunderschwamms und schließlich auch dazu, warum man darauf komme, den Zunderschwamm in der Hautpflege wirksam einsetzen zu können. Das Zauberwort lautet Glucaneo, ein aus dem Pilz isoliertes Beta-Glucan, dem man tatsächlich einige positive Wirkungen nachsagt, beispielsweise antiinflammatorische (= entzündungshemmende), laut Studien der Zunderschwamm Naturprodukte GmbH kommen UV-Schutz und anti-oxidative Wirkungen hinzu. Den Schwerpunkt sieht man laut Vortrag aber beim Einsatz in der Wundheilung, vor allem in der Exsudationsphase (also zu Beginn  der Wundheilung, auch als Entzündungs- oder Reinigungsphase bezeichnet).

Leider umfasste der Vortrag gerade mal 15 Minuten und der  Schwerpunkt lag bei der Historie des Zunderschwamms und dem allgemeinen Verlauf einer Wundheilung sowie einem ganz kurzen Blick auf die hauseigene Studie zum Thema Wirksamkeit des Glucaneo auf Wundheilungsparameter. Und dann … war der Vortrag auch schon vorbei. Weder gab es Details zu Einsatzgebieten, Umsetzungsideen und Co. noch den angekündigten Hinweis auf die bereits durch das Unternehmen vertriebenen  Produkte. Dass es auch Kleidungsstücke aus Pilzleder gibt, haben wir zwar am Rande erfahren (siehe Hut des Vortragenden), dass zudem eine Medikosmetikreihe vertrieben wird, die sich speziell an entzündliche Haut (z.B. Neurodermitis oder Psoriasis)  richtet und Anti-Aging-Effekte haben soll, dazu haben wir dabei trotz Ankündigung zuvor nichts gehört.

Irgendwie ist der Funke da bei uns nicht übergesprungen.

Fazit

Natürlich war die Zeit mit zwei Tagen viel zu knapp und ursprünglich ja auch anders geplant. Wir haben jedenfalls sehr viele Infos mitnehmen können, und davon konnten wir euch in diesen zwei Artikeln im Grunde nur kleine Einblicke weitergeben.  Mindestens zwei Unternehmen und deren Produkte werden wir euch in separaten Artikeln demnächst auf jeden Fall noch mal genauer vorstellen, weil die uns besonders begeistert haben. Warum und womit, dann lest/seht ihr dann ja noch. 🙂

Doch auch abseits von Produkteindrücken haben wir sehr von dem Messebesuch profitiert. Wir haben unseren Blick natürlich auf Neuheiten gelenkt, aber auch auf „Lücken“, also auf Bereiche abseits von Produkten, über die man sich im Alltag nicht so oft Gedanken macht. Wir haben unseren Wissensstand zu ein paar Aspekten (wieder) aufgefrischt, viel Neues gelernt und tolle Kontakte geknüpft.

Insgesamt hoffen wir sehr, dass wir nächstes Jahr wieder dabei sein können – und das an jedem Tag mit noch viel mehr Input.