Erst haben wir sie in der Tageszeitung entdeckt, dann auch online, zum Beispiel bei der „Zeit“ : die Ergebnisse des Ernährungsreports 2017. Wie wir die Ergebnisse für uns bewerten, und was das mit dem Blog zu tun hat, darüber bloggen wir jetzt mal in einer kleinen Artikelreihe.

Ist das alles so?

Vorab stellt sich eigentlich die Frage, ob die Ergebnisse der Studie nun wirklich repräsentativ sind für die deutschen Ernährungsgewohnheiten und -wünsche. Und da kann man ziemlich schnell sagen: Nö, eigentlich nicht. Befragt wurden nämlich 1000 Leute unterschiedlicher Altersgruppen, und das ist, gemessen an der Einwohnerzahl Deutschlands, nun nicht so viel. Schade.  Hält uns allerdings nicht davon ab, zumindest zu diesem „Durchschnitt“ was zu schreiben.

Kochen: schnell und selten?

11% der Befragten kochen überhaupt nicht, 39% stellen sich täglich an den Herd. Bleiben demnach 50%, die zumindest mehrmals pro Woche kochen. Je nach Altersgruppe wollen 55%-72% ihr Essen unkompliziert und schnell auf dem Teller haben. Wohl unter anderem darum greifen 41%-60% gerne zu Fertigprodukten.

Ach, mal ehrlich: Wir beide kochen unheimlich gerne, aber jeden Tag stehen wir auch nicht am Herd. Mal kochen wir für 2 Tage, mal greifen wir auf zuvor Eingefrorenes zurück, und auch, wenn es manchmal so richtig aufwendig werden darf, weil wir Lust darauf haben, möchten wir in der Regel unser Essen auch mindestens in unter einer Stunde auf dem Teller sehen. Nichts, was verwerflich wäre.

Die Frage ist eher, warum so viele zu Fertigprodukten greifen. Und unserer Erfahrung nach ist es einfach so, dass viele schlicht nicht wissen, wie sie schnell und unkompliziert was Frisches auf den Tisch bringen.  Hier wäre auch interessant zu erfahren, wie genau Fragen und Antworten abgefragt wurden. Bei 1000 Befragten liegt die Annahme einer quantitativen Studie nahe, sprich: Es gab vieles anzukreuzen, was man dann entsprechend in Zahlen und Prozentwerte umgesetzt hat. Es gibt also abseits der Zahlen keine weitere Differenzierung. Beispielsweise ist dem Report die genaue Frage zu den Fertigprodukten zu entnehmen:

Ich esse gern mal eine Tiefkühlpizza oder andere Fertigprodukte.

Da konnte man dann offenbar mit Ja oder Nein antworten. Na, dass man bei dieser Fragestellung mit „mal“ auf bis zu 60% Ja kommt, finden wir jetzt nicht ganz so erstaunlich. Ihr?

Dass gerade junge Leute oft zu Fertigprodukten greifen spricht dafür, dass sie einfach nicht wissen und nicht gelernt haben, wie sie in derselben Zeit auch was Frisches zubereiten können. Und zudem muss man einfach mal festhalten, dass „kochen“ für erschreckend viele Leute erfahrungsgemäß durchaus bedeutet, eine Dose zu öffnen und deren Inhalt im Topf zu erwärmen. Da kann man so manchem Reality-TV-Format noch so sehr vorwerfen, die Inhalte wären gecastet, ganz ehrlich: die Realität ist in diesem Punkt oft nicht allzu anders.

Aber:  89% der Leute haben angegeben, dass sie sich ein gesundes Essen wünschen und ihnen das wichtig ist. Steht in den zusammenfassenden Medien so meist nicht. Es ist den Leuten also eben nicht völlig egal, was sie essen. Und ebenso spannend: Gerade die 14-18-Jährigen in der Umfrage gaben an, sehr gerne zu kochen. Ganze 89%! Bei 79% rangieren die 30-39-Jährigen, bei 69% die 19-29-Jährigen.  Und was macht man so mit 19-29 Jahren? Abi, Ausbildung, Studium – und nebenbei noch Beziehungen knüpfen, feiern gehen … kein Wunder, dass sie Zahl da absinkt, und später erst wieder ansteigt, wie wir finden.

Was wir für uns daraus ziehen

Tatsächlich sind diese Zahlen bis jetzt nicht allzu bahnbrechend oder verwunderlich, wie schon geschrieben. Als wir uns überlegt haben, dass wir Rezepte und auch Kochtipps etc. zeigen wollen (zum Beispiel Einrichtung der Minimalküche oder Anti-Ausreden-Küche, wie wir sie getauft haben), vor allem via Blog, aber auch mal als Video, da richteten wir unseren Gedankenblick vor allem auf Leute, die

  • jung sind und denen darum Kenntnisse und Ideen fehlen
  • beruflich so eingebunden sind, dass es möglichst schnell gehen soll mit dem Kochen
  • vegane Rezepte ausprobieren wollen, die nicht zig seltsame Zutaten und Ersatzprodukte benötigen
  • mit ihren Finanzen haushalten müssen und darum günstig kochen wollen

Davon abgesehen wollten wir Rezepte, die man als Single, Paar und Familie gleichermaßen gut zubereiten kann oder zumindest eine Bandbreite, die alles davon leicht abdeckt.

Das hat sich zwischenzeitlich nicht geändert, und laut dieses Reports scheinen das auch relevante Punkte zu sein.

Was die Präsentation der Daten in der Tagespresse betrifft, sehen wir das gar nicht so negativ, wie es dargestellt wird und ziehen daraus, – Achtung, Wortspiel: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.