Heute gibt es den dritten Teil unserer Artikelreihe zum Ernährungsreport 2017. Den ersten Artikel zu Kochmuffeln findet ihr hier, den zweiten Artikel mit dem Thema Fleischeslust hier.

Die Zahlen

Gefragt wurde auch, wie sich die Leute in der Mittagspause ernähren. 57% gaben an, sich Essen von zu Hause mitzunehmen, 21% essen in der Kantine, 18% gar nichts und 15% beim Bäcker oder Imbiss. Auch diese Zahlen wollen nicht so ganz zum eingangs und in einigen Medien als solches wiedergegebenen  Desinteresse passen. Zu bemerken ist allerdings, dass es im Vorjahr noch ganze 8% mehr waren, die ihr Essen von zu Hause mitnahmen.  Ist das Kantinenessen besser geworden oder woran mag das liegen?

Sehr überrascht waren wir von den genannten Zahlen zu den Kosten des Mittagessens. Im Mittel waren es 6,20€, die für das Mittagessen außer Haus ausgegeben wurden!

Gleichzeitig wünschen sich 90% verbindliche Standards für die Verpflegung in Kindertagesstätten und Schulen, wobei 73% sich ein Mitspracherecht hierbei wünschen. Durchschnittlich zwei Drittel wünschen sich sogar Bioessen, für das sie auch mehr zu zahlen bereit wären; in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern sogar 87%.

Kantinenessen

Tatsächlich glauben wir schon, dass das Kantinenessen sich stetig verbessert. Natürlich nicht gravierend von einem Jahr zum anderen, aber stetig.

Es zeigt sich aber schon: Immer häufiger gibt es nicht nur Salatinseln beim Kantinenessen, sondern die Vielfalt an Salaten ist auch eine größere. Hinzu kommt, dass viele Kantinen mittlerweile mindestens ein vegetarisches, wenn nicht sogar veganes Essen anbieten, und das durch die Großverpflegung teils zu einem sehr günstigen Preis. Zu bemerken ist zudem, dass vegetarisch nicht mehr allzu gern gleichgesetzt wird mit „dann eben mehr Sahne, Butter oder Käse„.

Aus dem Nichts kommt all das nicht, sondern ist ein Entwicklungsthema. Immer mehr Kantinen und Caterer lassen sich zu Themen wie gesunder, ausgewogener und auch besonderer Ernährung schulen und beraten, und nicht zuletzt wird zunehmend erkannt, dass schon die Mitarbeiterverpflegung einen Teil zur betrieblichen Gesundheitsförderung beiträgt – die von Ausfallzeiten über Presse bis Zertifizierung einfach auch eine gute Investition bedeutet.

Eigene Kantinenerfahrungen

Unsere eigenen Erfahrungen mit Kantinenessen sind ziemlich unterschiedlich.

An der Uni wurde  neulich ganz „exklusiv“ im Rahmen einer Aktion eine vegane Woche angeboten. Das wurde ganz groß angekündigt und  es hatte etwas alienartiges, wie damit umgegangen wurde. Abseits dieser Aktion ist an veganes Essen nicht zu denken, die Salatbar ist bestenfalls als lieblos zu bezeichnen und abfüllen kann man ihn sich in kleine orangefarbene 70er-Jahre-Schüsselchen. Nicht gerade eine Vorzeige-Mensa also.

Im Arbeitsumfeld blicken wir auf völlig unterschiedliche Angebote. Einmal ist da die klassische Kantine mit drei Menüs, das dritte meist  vegetarisch und sehr milchproduktlastig, doch immerhin die Salatbar kann sich sehen lassen und ist einigermaßen günstig. Die Öffnungszeiten sind dort knapp bemessen und schließen Mitarbeiter aus dem Pflegepersonal (immerhin die meisten Beschäftigten also) quasi dadurch aus. In einem anderen Haus ist man von den Zeiten her flexibler. Dort kann man sowohl aus den drei Menüs wählen als auch einzelne Komponenten, das Salatbuffet ist sogar empfehlenswert und frisch, und stets stehen dort aus marinierte und/oder gegrillte Gemüse zur Auswahl. Eine ausgewogene Ernährung ist damit sehr viel leichter, vegetarisch gar kein Problem, vegan mit ein bisschen Erfindungsgeist ebenfalls gut möglich.

Auf der anderen Seite gibt es eine wirklich inspirierende Kantine mit verschiedenen Inseln: Fleisch, Fisch, Fitness – wobei letzteres tatsächlich die Umschreibung für vegan ist in der Annahme, dass man mit diesem Begriff mehr Leute abholt (was wir für durchaus zutreffend halten). Eine Salatinsel gibt es ebenfalls, auch hier reichlich Auswahl an allem. Hier kann sich wirklich jeder nach seinem Gusto rundum gut verpflegen, und damit nicht genug: Mittels App können die Mitarbeiter sich sowohl Gerichte und Details zu ihnen anschauen als auch im nachhinein die Mahlzeiten bewerten udn Kommentare hinterlassen. Wow!

Was wir für uns daraus ziehen

Neu ist unser #kantinenreport. Auf Instagram zeigen wir regelmäßig Bilder vom Kantinenessen, mal mit und mal ohne Salatbeilage, grundsätzlich natürlich vegan. Schon gesehen? Nicht nur Inspiration für die Kantine. 🙂

Sich selbst etwas vorzubereiten und mitzunehmen ist allerdings auch etwas, das wir regelmäßig machen – und vor allem auch gerne. Dazu basteln wir ebenfalls gerade an einer Artikelreihe beziehungsweise  daran, euch hier öfter mal Rezepte zum Mitnehmen zu zeigen. Ihr dürft gerne gespannt sein. 🙂

Zur Verpflegung in KiTa und Schule können wir selbst wenig sagen. Unsere Schulzeit liegt gefühlt ewig zurück, und da wir keine Kinder haben, fehlt uns auch da der Berührungspunkt. Aus diesem Grund äußern wir uns auch gar nicht erst irgendwie „von außen“ dazu.

Wer sich allerdings wohl mit diesem Thema viel und gern beschäftigt, ist Stina Spiegelberg von veganpassion.de, zumindest hat sie gleich zwei Vorträge zu genau diesem Thema auf der Biofach 2017 gehalten.

Zusammen mit  drei anderen hat sie  außerdem das Plant-based-Institute gegründet,  dessen Ziel eine nachhaltige vegane Küche in Gastronomie, Privathaushalten und öffentlichen Einrichtungen ist.

 Schaut also doch bei ihr oder allen vieren mal vorbei, wenn ihr da besonderes Interesse habt.