Vorweg: Nee, das machen wir (zumindest ziemlich wahrscheinlich) jetzt nicht jede Woche, aber vielleicht so hin und wieder. Mal sehen.

Unsere erste Woche (und die von x anderen Leuten) mit Pokémon GO ist rum. Zeit also, mal ein bisschen Revue passieren zu lassen, wie diese Woche so war.

Da sitzt ein Pokémon auf dem Schreibtisch!

Die ersten Fänge waren schnell gemacht, und es war natürlich total aufregend, auf einmal ein Pokémon gleich neben sich zu sehen. Dank AR auch wirklich auf dem Schreibtisch zu sehen – toll! Die ersten Rattfratze, Hornlius und Taubsis sorgten für geradezu entzückte Gesichter.

Das Pokémon auf dem Schreibtisch muss sich allerdings verlaufen haben, denn wir haben leider nicht – wie laut Internet viele andere – einen großartigen Wohnzimmerfund nach dem anderen, sondern müssen tatsächlich vor die Tür. Ist ja irgendwie auch Sinn des Ganzen.

Zum nächsten Pokéstop laufen wir etwa 5 Minuten und gleich daneben befinden sich Bäcker und Supermarkt. Meist kaufen wir eh alle 2 Tage ein, jetzt täglich. Okay, manchmal auch mehrfach. Ist erstaunlich, wie oft uns neuerdings auffällt, dass wir etwas einzukaufen vergessen haben. Und 20 Dosen Katzenfutter für nur einen Tag? Nein, da kann man doch auch besser noch mal aufstocken …

Singing in the rain

Die ersten Tage haben es wettermäßig nicht ganz so gut gemeint, aber das hat Tsu nicht davon abgehalten, mit einem Schirm – und natürlich dem Handy – bewaffnet in den nahe gelegenen Park zu schlendern. Schon auf der Karte war zu sehen, dass sich dort mehrere Pokéstops befinden. Tja, da hat Tsu nicht schlecht gestaunt, als etwa drei Dutzend Leute am späten Abend, also im Dunkeln, und bei strömendem Regen, ebenfalls im Park waren. Kleine spontane Poképarty.

Bemerkenswert war auch, wie leicht man mit den Leuten ins Gespräch kam, Tipps austauschte, aber durchaus auch das eine oder andere Wort abseits von Pokémon miteinander wechselte.

Poké-Picknick

Ich gebe es zu: Die Story mit den Dutzenden Leuten bei Regen im Park hielt ich erst mal für ein bisschen übertrieben.  Doch prompt wechselte danach das Wetter, es wurde herrlich sonnig, und so lud Tsu mich zu einem Picknick im Park ein.

Korb mittags gepackt mit einer großen Schüssel Salat mit Falafelhälften, dazu Mini-Dattelküchlein, gekühlte Getränke, Besteck und was man so braucht, und ab in den Park. Und da hab ich nicht schlecht gestaunt. Ich hab selbst zu Festivitäten rund um den Park noch nie so viele Leute auf einmal dort gesehen. Schon gar nicht so viele Leute mit Handy.

Die meisten waren zu zweit oder dritt dort. Es gab Freunde, Paare und sogar generationsübergreifende kleine Familien. Und alles vermischte sich irgendwie. Die einen trafen Leute wieder, die sie schon ewig nicht gesehen hatten (so auch Tsu an dem Tag), die nächsten kannten sich vom Pokémon GO am Vortag, wieder andere lernten sich einfach neu kennen.

Irgendwer kam mit dem Rad angedüst. „Hey, ihr spielt doch auch sicher alle – ich hab da mal eine Frage!“ Und als würde man sich schon ewig kennen, kam man ins Gespräch.

Ein Umriss!

Solange man ein Pokémon eines Typs noch nicht gefangen hat, wird es in der Übersicht der irgendwo in der Nähe befindlichen Pokémons als Umriss dargestellt. Ist man halbwegs aktiv beim Spielen dabei, hat man in der gewohnten Umgebung aber auch rattfratz – äh, ratzfatz – alle Standardpokémons mal gesehen und vermutlich auch gefangen.

So ging es uns und vielen anderen im Park auch. Dann ein Ausruf: „Was Neues!“ – und irgendwer stand auf und verließ mit diesen Worten die lose Ansammlung. Es dauerte ungefähr 3 Minuten, bis vielleicht noch die Hälfte der Leute da waren. An einer Stelle, an der zwei Pokéstops bequem gleichzeitig nutzbar waren und beide mit einem Lockmodul ausgestattet, wohlgemerkt. Man muss eben Prioritäten setzen.

Wir entschieden uns dennoch zu bleiben. Zumindest ungefähr 5 weitere Minuten. Dann nämlich kam irgendwer mit dem Rad zu den Verbliebenen gefahren und sagte: „Wir haben es gefunden. Kommt, ich zeige euch, wo.“

Diesmal folgten auch wir, und ganz ehrlich, wir gingen an sich davon aus, dass er irgendwann breit grinsend sowas sagen würde wie „Hähä, verarscht!“ oder so. Passierte aber nicht. Er fuhr ein Stück vor, wartete auf uns, fuhr vor, wartete auf uns – und dann plöppte es auf einmal auf, das unbekannte Pokémon.

Kein Thema!„, sprach der Radfahrer, winkte und setzte seinen Weg alleine fort.

Kaum da, schon weg

Beflügelt durch die vielen tollen Erfahrungen mit dem Spiel selbst und rundrum beschlossen wir, als nächstes die Innenstadt nach Pokémons zu durchforsten und bei der Gelegenheit was Leckeres zu essen. Dummerweise erwischten wir genau den Beginn der Durststrecke. Auf dem Weg in die City war schon alles recht mager mit Pokémons ausgestattet, in der Stadt dann mussten wir alle 2-4 Minuten neu einloggen. Sehr nervig.

Kurzerhand schalteten wir also unsere Handys aus und hatten einfach einen schönen Abend zu zweit. Und doch war er nicht ganz pokémonfrei. Als Tsu den Login-Bildschirm noch mal einschaltete, um ein Foto davon als „Erinnerung an den ersten Serverdown“ zu schießen, war er plötzlich eingeloggt. Zur Feier des Moments bestellte er einen Cocktail: „Zwei Cocktails, bitte. Irgendwas, aber vegan und rot (vegan ist bei rot ja so eine Sache). Wir sind nämlich Team Rot!

Und kaum war der Cocktail da, leistete uns auch schon ein Pokémon Gesellschaft.

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Die Gunst des Augenblicks war uns allerdings nicht lange hold, denn eine Viertelstunde später war es auch schon wieder vorbei, ein Einloggen unmöglich, und wir schlenderten Hand in Hand und ohne Smartphone wieder gemütlich nach Hause.

Sie Nerd, Sie!

Auch wenn das Alter der Leute, die Pokémon GO spielen, breit gestreut ist, ist doch eine klare Verteilung erkennbar. Die meisten Leute, denen wir so begegnet sind, sind zwischen 20 und 30. Dazu kommt eine große Palette an Leuten, die irgendwo zwischen 14 und 20 rangieren. Darüber hinaus sieht man Spieler eher selten, eher noch darunter. An den Kindern geht das Spiel hier eher vorbei. So fragte ein Mädchen von geschätzt 7-8 Jahren ihre Mutter, als sie an uns vorbei liefen und das Kind mit großen Augen staunte, was all die Leute unterwegs mit dem Handy an einem Fleck machen: „Mama, was ist denn ein Pokémon?

Irritierend ist es dann aber doch, wenn sich alle gegenseitig wie vertraut anquasseln, sich unterhalten, miteinander lachen, über gefangene Pokémons jubeln, und dann plötzlich einer aus der vertrauten Atmosphäre reißt mit „Haben Sie denn auch schon mal so ein ganz seltenes gefangen?

Da sind wir nicht die einzigen, denen sowas passiert, aber es ist schon seltsam, plötzlich in dieser Umgebung (als gefühlt einzige) gesiezt zu werden.

So a Schmarrn!

Tsu arbeitet im IT-Bereich, in dem das Spiel nun nichts Besonderes ist. Ich hingegen arbeite ja technikfremd, und so fühlt es sich dann auch an, wenn man auf der Arbeit ganz begeistert Pokémon GO erwähnt und sich erkundigt, ob das noch wer spielt. Kennt natürlich jeder beziehungsweise hat davon gehört, aber selbst? Nein, für so einen Quatsch haben meine Kollegen und Kolleginnen keine Zeit. Manche sind genervt, sei es, weil ihre Kinder das spielen oder auch, weil die Medien einen mit Informationen und Meldungen zum Spiel zuschütten, wie es heißt.

Zwei finden es allerdings witzig, weil ihre Töchter damit viel Spaß haben, weitere zwei finden es halbwegs interessant.

Jemand meint: „Ich informiere mich da lieber über die aktuellen Nachrichten oder lese ein Fachbuch oder sowas.

Ich antworte: „Das ist ja witzig – das mache ich einfach auch noch.

Und natürlich macht das alles süchtig, wie auch diese anderen Spiele, da muss man vorsichtig sein.  Ist auch gefährlich, wegen der Klippen, von denen man stürzen und den Autos, von denen man angefahren werden kann.  Welche anderen Spiele? Na, zum Beispiel dieses Wokrafft.

Ihr Kacknoobs!

So als aktiv und begeistert Spielende schauen wir uns natürlich auch im Netz mal um. Vielleicht findet man da ja ein paar gute Tipps, Seiten, Blogs, Communitys oder so. Wir werden fündig, vor allem bei Facebook. Da gibt es gleich ganz viele „offizielle“ Seiten: offiziell und official und ofiziell und all sowas.

Die Empörung innerhalb dieser Communitys ist groß, und sie hat wenig zu tun mit irgendwelchen Gefahren durch das Spiel. Da heißt es dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit zum Beispiel:

„Ey ich hab ALLES durchgezockt schon als Kind. Und diese ganzen beschissenen scheiß drecksfragen zeigen doch nur das ihr keine Ahnung habt ihr Kacknoobs. Rennt nur dem Mainstream hinterher und meint ihr wärt cool. Holt das erst ma auf befor ihr euch hertraut und uns mit euren holen fragen nerft. Ihr REGT MICH SO AUF1!“

Äh … ja …

Pokémon-Schutzpolizei?

Zusammen sind wir in der ersten Woche über 50km gelaufen. Und das sind nur die Strecken, die wir mit aktiviertem Spiel gelaufen sind (ja, tatsächlich, wir haben das Handy nicht immer dabei ;-)). Das ist deutlich mehr, als wir sonst so laufen, und auch mehr als die Strecken, zu denen uns Ingress motivieren konnte.  Hat uns tatsächlich auch noch in Ecken geführt, die wir bislang nicht kannten, zumindest nicht persönlich.

Das ist super und tut gut. Bei dem Wetter sowieso, auch wenn wir schlauerweise nicht in der prallen Mittagshitze unterwegs waren am Wochenende.

Nicht so gut sind die zahlreichen Mückenstiche, die das so mit sich gebracht hat. Sind wir bislang weitgehend verschont worden, liegt der aktuelle Counter knapp bei zwanzig Stichen, Tendenz steigend. Gibt es also eine Insektenpolizei, Typ Gift, die sich da manifestiert?

Oder ist es eine dieser Gefahren, vor denen man warnen sollte? Achtung: Pokémon GO führt vermehrt zu Mückenstichen! 😉

Fazit

Unsere ersten Eindrücke – im Vergleich zu Ingress – haben wir ja schon mit euch geteilt. Diesmal sollte es ein grober Überblick über unsere Eindrücke einer Woche mit dem Spiel geben. Ja, es ist nur ein grober Überblick und es sind nur Ausschnitte, denn irgendwie passiert mehrmals am Tag irgendwas Tolles, das mit dem Spiel zusammenhängt. Ist schon schön.

Aktuell sind wir Level 17, haben so einige Medaillen errungen, Arenen bezwungen, Hunderte von Pokémons gefangen, allerdings bislang nur 49 (Clawdeen) bzw. 50 (Tsu) verschiedene, also gerade mal ein Drittel nach aktuellem Stand.

Wir sind beide gespannt, wie viele Tage oder Wochen der Hype anhalten wird in der Form. Bei uns. Generell.

Und, klar kann man alles schlecht reden, rumunken und so weiter, aber wir halten es da eher mit einem Tweet von Kathrin Weßling:

Man kann #PokemonGO albern finden, aber ist es nicht auch schön, dass mal ein paar Momente ein Spiel die ganze Welt in Atem hält – statt Angst?

Euer

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